Aldi-Beschäftigte kämpfen gegen Stellenabbau: Gründet ein Aktionskomitee!

Aldi-Schild bei Sonnenuntergang [Photo by Mike Mozart of JeepersMedia / CC BY 2.0]

Über 2000 Beschäftigte der IT-Firma Aldi DX kamen am 31. März in Essen zusammen und wählten einen Wahlvorstand, der die Wahl eines Betriebsrats vorbereiten und durchführen soll. Viele in der Belegschaft der IT-Tochter des Discounters sind entschlossen, gegen Arbeitsplatzabbau und die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Die Sozialistische Gleichheitspartei und die World Socialist Web Site unterstützen diese Kampfbereitschaft. Wir treten dafür ein, diesen wachsenden Widerstand auszuweiten und zum Auftakt für eine breite Mobilisierung aller Beschäftigten an allen Standorten zu machen.

Die Angriffe auf die IT-Beschäftigten bei Aldi sind Teil der weltweiten Krise des kapitalistischen Systems. Überall werden neue Formen der Produktion, allen voran KI, genutzt, um massiv Arbeitsplätze abzubauen und die Ausbeutungsbedingungen ins Unermessliche zu steigern. Gleichzeitig findet am anderen Ende der Gesellschaft eine hemmungslose Bereicherung statt. Eine superreiche Finanzaristokratie zerstört die Gesellschaft. Mit derselben Aggressivität, mit der US-Präsident Trump und die hinter ihm stehenden Oligarchen die Vernichtung der Zivilisation im Iran androhen, geht die herrschende Klasse in jedem Land gegen die Arbeiterklasse vor.

Um erfolgreich gegen Arbeitsplatzabbau und Arbeitsverschlechterungen zu kämpfen, ist es notwendig, die betriebliche Auseinandersetzung mit einer systematischen Mobilisierung gegen das kapitalistische Profitsystem zu verbinden.

Nur auf der Grundlage einer sozialistischen Perspektive, die auf dem alten Prinzip der Arbeiterbewegung basiert, dass die Interessen und Bedürfnisse der Beschäftigten höher stehen als die Profitmaximierung der Kapitaleigner, und eine demokratische Kontrolle über die Produktion anstrebt, können die Arbeiterrechte durchgesetzt werden.

Deshalb ist die Gründung eines Aktionskomitees notwendig, das in der Tradition der Arbeiterräte steht, alle Aldi-DX-Beschäftigten mobilisiert und den organisatorischen Rahmen für einen gemeinsamen Kampf schafft. Das ist der Weg, die begonnene Auseinandersetzung bei Aldi mit den vielen Beschäftigten in anderen Bereichen zu verbinden, die mit den selben oder sehr ähnlichen Problemen konfrontiert sind.

Wir schlagen vor, eine „Liste Aktionskomitee“ zu bilden und an der Betriebsratswahl teilzunehmen, um den engen Rahmen der Betriebsratsarbeit auszuweiten und einen prinzipiellen Kampf zur Verteidigung aller Arbeitsplätze, Löhne und Sozialstandards zu organisieren.

Mit einer eigenen Liste tritt das Aktionskomitee denjenigen entgegen, die eine Partnerschaft und Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung anstreben, sich den Profitinteressen unterordnen und über einen sogenannten Sozialplan oder Interessensausgleich Entlassungen und Sozialabbau akzeptieren und durchsetzen.

Wer heutzutage für „Sozialpartnerschaft“ eintritt, ist entweder ein Narr, den die Realität nicht interessiert, oder ein Agent der Gewerkschaftsbürokratie, die überall dort, wo sie Einfluss hat, ihren ganzen Apparat einsetzt, um die Entscheidungen der Unternehmensleitungen durchzusetzen und jeden ernsthaften Kampf der Beschäftigten zu hintertreiben und zu unterdrücken.

Wir erleben gegenwärtig in der Auto- und Zulieferindustrie, aber nicht nur dort, sondern in allen Industriezweigen – abgesehen von der Rüstungsindustrie – ein Arbeitsplatzmassaker sondergleichen. Im Namen der Sozialpartnerschaft arbeitet der IG Metall-Apparat überall als Unternehmensberater, schlägt selbst Sparmaßnahmen und Entlassungen vor, arbeitet sogenannte „Effizienz-Programme“ mit massiven Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen aus und setzt diese Sozialangriffe gegen den wachsenden Widerstand in den Betrieben durch. Bei VW z.B. haben die IGM-Funktionäre dem Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen und Lohnsenkungen von 20 Prozent zugestimmt – und feiern das als Erfolg.

Das Umschlagen von Sozialpartnerschaft in sozialen Angriff und die Verwandlung der Gewerkschaften in Unternehmensberater sind eng mit der Globalisierung der Produktion verbunden. Die Zeiten, in denen die Arbeitsbeziehungen national geregelt waren und die Gewerkschaften vorübergehend soziale Verbesserungen aushandeln konnten, sind längst vorbei. Jetzt dominieren die globale Produktion und ein internationaler Arbeitsmarkt und die Gewerkschaften verlangen Zugeständnisse von den Beschäftigten, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu steigern.

Bei Aldi zeigt sich die Auswirkung der Globalisierung sehr deutlich. Denn von den Angriffen sind nicht nur die rund 3.900 Menschen bei der Aldi-Tochter DX mit Sitz in Mülheim an der Ruhr betroffen, die die Software für 7.500 Aldi-Süd-Filialen auf vier Kontinenten entwickeln. 2024 zählte Aldi DX noch 4.300 Beschäftigte. Nun sind innerhalb von rund einem Jahr 400 Stellen abgebaut worden, klammheimlich, ohne Ankündigung, ohne Erklärung, ohne Antworten auf die Fragen der Belegschaft.

Das ist erst der Anfang. Die neueste Einschränkung des Home-Office, nach der alle Beschäftigten für zwei Tage in der Woche nach Mülheim an der Ruhr ins Büro kommen müssen, leitet eine neue Welle von Entlassungen ein. Die Konzernleitung hat die Kooperation mit dem indischen IT-Dienstleister Tata Consultancy Services (TCS) sukzessive ausgebaut, um KI-gestützte Prozesse zu entwickeln. Über kurz oder lang kann die gesamte IT-Arbeit oder ein großer Teil davon nach Indien ausgelagert werden.

Das betrifft auch andere Bereiche bei Aldi. In der Hauptverwaltung – ebenfalls in Mülheim – sollen 500 Jobs wegfallen. Die Kassiererinnen und Kassierer in den Aldi-Filialen werden durch Selbstscanner-Kassen wegrationalisiert. Die verbleibenden müssen nicht nur an ihrem Band kassieren, sondern auch noch die Selbstscannerkassen über ihr Display beobachten. Eine enorme Verschärfung der Arbeitshetze.

Die IT-Fachkräfte bei Aldi DX wissen sehr gut, welch große technische Innovation mit KI verbunden ist. Die Arbeitsproduktivität kann enorm gesteigert, anstrengende, monotone und gesundheitsschädliche Arbeit überwunden, die wirtschaftliche Lage und das kulturelle Leben der Bevölkerung angehoben werden. Der Wegfall schwerer und stupider Arbeit muss nicht zu Massenarbeitslosigkeit und Elend führen, sondern sollte zu mehr Freizeit und einer Ausweitung der Möglichkeiten für Bildung, Familienleben und kultureller Entwicklung führen.

Aber in den Händen der herrschenden Kapitalistenklasse wird jede technologische Innovation zu einer Waffe gegen die Arbeiterklasse und gegen die Länder, die sie mit militärischer Gewalt erobern und unterdrücken will.

Die Verteidigung der Arbeitsplätze und Sozialstandards bei Aldi DX muss in direktem Zusammenhang mit der historischen Krise des kapitalistischen Systems verstanden und angegangen werden. Die aggressive Kriegspolitik der US-Regierung unter Trump ist keine vorübergehende Entwicklung. Der Kampf um Weltmacht, Rohstoff-Kontrolle und Absatzmärkte ist voll entbrannt und bestimmt die Politik in allen imperialistischen Ländern.

Die Bundesregierung treibt eine wahnwitzige militärische Aufrüstung voran, um zur führenden Militärmacht Europas zu werden. Sie nutzt den Ukraine-Krieg zur Vorbereitung einer „Operation Barbarossa 2.0“. Um diese Kriegspolitik zu finanzieren, werden Sozialleistungen massiv gekürzt. „Wir können uns den Sozialstaat nicht mehr leisten!“ erklärt Kanzler Merz.

Doch in Wahrheit kann sich die Bevölkerung den Kapitalismus und sein Profitsystem nicht mehr leisten. Die viel betonte „Zeitenwende“ bedeutet für die Arbeiterklasse: Rückkehr zum Klassenkampf! So wie die herrschende Klasse an ihre reaktionäre Tradition von Massenentlassungen, Sozialabbau, Krieg und Diktatur anknüpft, so muss auch die Arbeiterklasse an ihre revolutionäre, sozialistische Tradition anknüpfen.

An Kampfbereitschaft fehlt es nicht. In Gesprächen mit der WSWS zeigten sich viele Aldi-DX-Beschäftigte selbstbewusst, entschlossen und kämpferisch. Einer von ihnen sagte, falls die neue Homeoffice-Regelung tatsächlich die Vorbereitung auf einen weiteren Arbeitsplatzabbau sei, „muss man auch über Streiks nachdenken“. Ein anderer erklärte, die Unsicherheit im Betrieb sei groß, aber: „Die Stimmung ist kämpferisch. Ich habe gerade in der U-Bahn auf dem Weg hierhin die Internationale gehört“, berichtete er lächelnd.

Dieser Stimmung muss nun organisatorischer Ausdruck verliehen werden. Ein Aktionskomitee, das als eigene Liste an der Betriebsratswahl teilnehmen sollte, muss folgende Prinzipien vertreten:

1. Die Bedürfnisse der Beschäftigten stehen höher als die Profitinteressen der Unternehmensleitung und der Kapitalbesitzer, des Aldi-Süd-Clans um Karl Albrecht und Beate Heister, deren Vermögen 2025 vom Manager Magazin auf 27,7 Mrd. Euro geschätzt wurde. Das heißt konkret:

  • Einsatz von KI zur Erleichterung der Arbeit, nicht zum Jobabbau und zur Steigerung der Arbeitshetze.
  • Offenlegung der Gewinne von Aldi Süd: Der Konzern hat allein in Deutschland einen Umsatz von 20, international von 124 Milliarden Euro. Wieviel des Ertrags der Arbeit von Hundertausenden landet auf den Konten der Albrecht-Familie?

2. Gegen die Spaltung der Kolleginnen und Kollegen nach Betrieben, Branchen und Nationen. Konkret:

  • Nehmt Kontakt zu anderen Firmen der Aldi-Süd- und auch der Aldi-Nord-Gruppe auf. Weltweit arbeiten 155.000 Beschäftigte für Aldi Süd, auch in den USA, China und Australien, und fast 90.000 für Aldi-Nord in acht europäischen Ländern. Überall werden Arbeitsplätze abgebaut.
  • Bezieht die Kolleginnen und Kollegen der Dienstleister wie die indische TCS mit ein. Sie sind Verbündete im Kampf gegen den Aldi-Konzern. Nehmt zusätzlich Kontakt mit anderen IT-Firmen auf. Macht euren Kampf zum Ausgangspunkt der IT-Beschäftigten aller Welt gegen die Auswirkungen der KI auf Arbeitsplätze und -bedingungen.
  • Die Belegschaft von Aldi DX ist international. Sorgt euch um die internationalen Kolleginnen und Kollegen, die mit einer Blue Card hier sind.

An alle, die mit dieser Ausrichtung übereinstimmen: Nehmt Kontakt mit uns auf, um diese Aufgaben zu diskutieren und zu organisieren. Füllt das Formular aus, schreibt eine Nachricht über WhatsApp oder per Signal an die +491633378340.

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